Ausgleichstaxe für Betriebe ohne Über-55-Jährige

Können Altersarbeitslosigkeit und Frühpensionen nur begrenzen, wenn es einen Arbeitsmarkt für ältere Arbeitnehmer gibt.

Obwohl man von Seiten der Wirtschaft und Industrie ständig nach Fachkräften ruft und über die Finanzierbarkeit des Sozialstaats nachdenkt, landen andererseits derzeit ältere Arbeitnehmer/innen vielfach im Teufelskreis der Altersarbeitslosigkeit, aus der man nur sehr schwer wieder herausfinden kann. So ist es gerade bei Großbetrieben an der Tagesordnung, dass ältere Beschäftigte entweder zum frühestmöglichen Zeitpunkt aus dem Erwerbsleben in die Pension oder sogar in die Arbeitslosigkeit gedrängt werden, auch wenn sie noch arbeiten möchten. In Klein- und Mittelbetrieben ist diese Vorgangsweise glücklicherweise eher die Ausnahme.

Fachkräftemangel teilweise hausgemacht
„Der Fachkräftemangel kann in Österreich gar nicht so groß sein, wenn man als exzellent ausgebildete Fachkraft um die 55 Jahre einfach keinen Job mehr findet. Von zahlreichen Betroffenen wissen wir, dass es hierzulande keinen Arbeitsmarkt für ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gibt. Es ist meist unerheblich wie gut man ausgebildet und wie fit man noch ist, ab 50plus wird man nicht mehr eingestellt“, weiß ÖAAB-Landessekretär Georg Bachmair (Bild) aus zahlreichen Gesprächen mit Betroffenen.

Um sicherzustellen, dass Ältere ohne Druck ihren Job weiter ausüben können und auch aus der Arbeitslosigkeit wieder in Beschäftigung finden, muss mit der angedachten Anhebung des Pensionsantrittsalters daher die verpflichtende Beschäftigung von Über-55-Jährigen in Betrieben per Gesetz vorgeschrieben werden. „Es kann nicht sein, dass wir einerseits das Pensionsantrittsalter erhöhen wollen, aber andererseits keine Arbeitsplätze für ältere Menschen haben und sie nur sehr schwer am Arbeitsmarkt vermittelbar sind“, so Bachmair.

Die Regelung zur verpflichtenden Ausgleichszahlung im Detail
Beginnend ab 25 Dienstnehmern gilt es den Dienstgeber zu verpflichten, eine proportionale Anzahl von Über-55-Jährigen im Unternehmen zu beschäftigen. „Kommt der Arbeitgeber dieser Regelung nicht nach, droht einen Ausgleichszahlung in den staatlichen Arbeitslosen- bzw. Pensionstopf. Dieser angedrohte Ausgleichsbetrag muss dabei so hoch sein, dass es sich eine Geschäftsführung zweimal überlegt, ob sie wirklich keinen älteren Menschen im Unternehmen beschäftigen. Nur eine solche Regelung stellt künftig sicher, dass das vorhandene inländische Fachkräftepotential – vor der Anwerbung von Fachkräften im Ausland – wirklich ausgeschöpft wird und ältere Arbeitssuchende auch noch eine richtige Chance am Arbeitsmarkt haben“, so der ÖAAB-Landessekretär abschließend.



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