„Gesundes OÖ“ stellt Prävention auf neue Beine – Lebensphasen im Mittelpunkt

Gesundheitsreferentin LH-Stv.in Christine Haberlander spricht im Interview über die Sicherung der hausärztlichen Versorgung, ihre weiteren Vorhaben im Gesundheitsressort und die Neuaufstellung der Gesundheitsprävention des Landes Oberösterreich.

Die hausärztliche Versorgung in Oberösterreich ist immer wieder in Diskussion. Wie kann es gelingen, das System langfristig abzusichern?
Haberlander: Das ist angesichts des Generationswechsels bei den Ärztinnen und Ärzten eine wichtige Aufgabe, die wir nur in enger Abstimmung und Zusammenarbeit aller Systempartner im Gesundheitswesen lösen können – und das tun wir auch, mit einem ganzen Blumenstrauß an Maßnahmen. Neben einem eigenen geplanten Lehrstuhl für Allgemeinmedizin an der Medizinischen Fakultät der Johannes Kepler Universität gehört dazu etwa auch, dass das Land OÖ die Lehrpraxis im niedergelassenen Bereich mitfinanziert oder die Unterstützung des Mentoring-Programmes für Allgemeinmedizin, in dem Medizinerinnen und Mediziner mit langjähriger Praxiserfahrung ihr Wissen an Studierende der Medizin bzw. Ärztinnen und Ärzte in Ausbildung weitergeben. Wir haben den Hausärztlichen Notdienst HÄND neu geregelt, um Hausarztstellen attraktiver zu machen. Auch Gesundheitszentren wollen wir verstärkt in Oberösterreich anbieten, denn junge Ärztinnen und Ärzte wollen im Team arbeiten. Das Land, die Ärztekammer und die Gebietskrankenkasse ziehen hier an einem Strang. Ziel ist, dass Hausärztinnen und Hausärzte, die mit Pflegepersonal, Therapeuten etc. die erste Anlaufstelle für rund 95 Prozent der medizinischen „Alltagssorgen“ sind, attraktive Arbeitsbedingungen vorfinden und verstärkt zusammenarbeiten. Der Erfolg, der bisher schon gemeinschaftlich umgesetzten Projekte, gibt uns Recht.
 
Welche besonderen Akzente wollen Sie im Gesundheitsressort in naher Zukunft setzen?
Gesundheitsförderung und Prävention bleiben ein besonderer Schwerpunkt, da werden wir uns künftig noch stärker an den Lebensphasen der Menschen orientieren: ‚Gesund aufwachsen in OÖ‘, ‚Gesund leben in OÖ‘ und ‚Gesund altern in OÖ‘ lauten hier die drei Säulen.
Ebenso wichtig ist die schon erwähnte „Primärversorgung“, also die medizinische Grundversorgung, die heute schon die Hausärztinnen und  ärzte ganz hervorragend leisten. Wir wollen die hohe medizinische Versorgungsqualität im Land regional ausgewogen erhalten, von der Basisversorgung bis zur Spitzenmedizin. Auch die Förderung gesünderer Lebensweisen und das Stärken der Gesundheitskompetenz der Menschen sind Themen, die auf der Agenda stehen. Dazu gehört auch der Einsatz von neuen „Wegweisern“ durch das Gesundheitssystem.
 
Die telefonische Gesundheitsberatung „1450“ ist einer dieser neuen Wegweiser?
Ja genau. Die Gesundheitsnummer „1450“ soll dazu beitragen, dass alle, die im Gesundheitssystem Hilfe suchen, schneller an die richtige Stelle kommen. Gerade auch für Seniorinnen und Senioren ist rasche und kompetente Unterstützung im Krankheitsfall entscheidend. Dort erfahren sie, wo sie mit ihren körperlichen oder psychischen Beschwerden am besten aufgehoben sind, aber auch Hilfe zur Selbsthilfe vom besonders medizinisch geschulten, diplomierten Krankenpflegepersonal. Das Rund-um-die-Uhr-Angebot der telefonischen Gesundheitsberatung 1450 soll Sicherheit geben und einen Beitrag dazu leisten, dass alle ohne Umwege zur jeweils besten Stelle für ihre Versorgung geleitet werden.
 
Stichwort „Gesundheitsförderung“ – wie steht es um aktuelle Angebote?
Gesundheitsförderung und Prävention verfolgen das Ziel, Krankheiten zu vermeiden und damit auch die Anzahl der gesunden und selbstbestimmten Lebensjahre für alle Menschen zu erhöhen. Die Stärkung der Gesundheits- sowie Lebenskompetenz soll wesentlich dazu beitragen. Das Gesundheitsland Oberösterreich will dazu in den kommenden Jahren verstärkt breit abgestimmte, qualitätsgesicherte, wirksame und effiziente Maßnahmen setzen.
 
Dazu wurde eben wie erwähnt in den vergangenen Monaten die Vielfalt der bestehenden Angebote und Programme kritisch überprüft und unter Einbindung von Experinnen und Experten neue strategische Ansätze entwickelt. Die Gesundheitsförderung und Prävention in Oberösterreich wird sich in Zukunft stärker an den Lebensphasen der Menschen orientieren. Wir wollen aber auch die Eigenverantwortung in den Mittelpunkt rücken. Was kann ich selbst tun, um meine gesunden Lebensjahre zu maximieren? Welchen Beitrag kann ich leisten? Es ist wichtig, dass sich jeder diese Fragen stellt, denn gesunde Lebensjahre kauft man nicht ind er Spitalsambulanz.
 
Mir geht es in der Gesundheitsförderung und Prävention vor allem um eine Stärkung der Kompetenzen jeder und jedes Einzelnen zum gesunden Leben und Handeln. Wichtig ist, dass über die gesamte Lebensspanne ab der frühen Kindheit geeignete Maßnahmen umgesetzt werden, die im Einklang mit größeren Zielsetzungen wie den Gesundheitszielen stehen und gut aufeinander abgestimmt sind.  


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